Hilfsbrücken weg: Das Kreuzungsbauwerk Neu-Isenburg nimmt Gestalt an

von Lukas Diehlmann

Über Jahre ermöglichten temporäre Hilfsbrücken den Zugverkehr über der Baustelle. Jetzt werden sie zurückgebaut: Der Rohbau des Kreuzungsbauwerks Neu-Isenburg steht. Zeit für einen Blick auf eines der anspruchsvollsten Bauwerke der Regionaltangente West – und darauf, was hier künftig möglich wird. 

Ein Schienenkran hebt die schweren Stahlkonstruktionen aus den Gleisen, Stück für Stück verschwinden die Hilfsbrücken. Was Rückbau heißt, ist vor allem ein Zeichen für Fortschritt: Unter den neun bestehenden Gleisen ist der Rohbau des Kreuzungsbauwerks fertig. 15 Hilfsbrücken haben während der Bauzeit dafür gesorgt, dass darüber der Zugverkehr weiterrollen konnte. Jetzt haben die Provisorien ihre Aufgabe erfüllt. 

Der Eisenbahndrehkran kann Lasten von bis zu 150 Tonnen heben. Beim Rückbau hebt er die Hilfsbrücken aus dem Gleisbereich.

Unter neun Gleisen Richtung Dreieich-Buchschlag 

Das Kreuzungsbauwerk liegt südlich des Bahnhofs Neu-Isenburg und gehört zum Planfeststellungsabschnitt Süd 1 der RTW. Dieser führt von Kelsterbach über den Frankfurter Flughafen und den Bahnhof Frankfurt-Stadion bis nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag. 

Auf ihrem Weg Richtung Dreieich-Buchschlag muss die RTW die Gleisanlagen der Main-Neckar-Bahn queren. Dafür führt das rund 350 Meter lange Kreuzungsbauwerk die neue Trasse unter insgesamt neun Fern-, S-Bahn-, Betriebs- und Rangiergleisen hindurch. Im Bereich des Bauwerks ist außerdem die Abzweigung Richtung Neu-Isenburg vorgesehen. 

Südlich des Kreuzungsbauwerks verschwenkt die RTW nach Osten und führt auf der bestehenden Strecke der Dreieichbahn weiter Richtung Dreieich-Buchschlag. Hier zeigt sich ein Grundprinzip der RTW: Sie baut nicht überall neu, sondern nutzt wo immer möglich vorhandene Schieneninfrastruktur. 

Eine der eingesetzten Hilfsbrücken mittlerer Bauart ist rund 22 bis 25 Meter lang und wiegt etwa 55 bis 60 Tonnen.

Bauen, während oben die Züge rollen 

Seit 2022 ist das Kreuzungsbauwerk abschnittsweise entstanden. Die Hilfsbrücken spielten dabei eine zentrale Rolle. Mit dem Baufortschritt wanderten die Provisorien gewissermaßen über das Baufeld mit: Je nach Bauphase wurden Hilfsbrücken ein-, um- oder zurückgebaut. So konnten darunter nacheinander die einzelnen Abschnitte des Kreuzungsbauwerks entstehen – „unter rollendem Rad“, also bei laufendem Bahnbetrieb. 

Auch bei den Tunnelabschnitten waren besondere Verfahren gefragt. Teile der Tunneldecke wurden zunächst unterhalb ihrer endgültigen Position betoniert und anschließend mit hydraulischen Pressen angehoben. Anfang Juni 2026 wurde die letzte, rund 400 Tonnen schwere Tunneldecke an ihren Platz gebracht. 

Im September folgte der nächste sichtbare Schritt: Die letzten Hilfsbrücken wurden zurückgebaut. Das Provisorium weicht, das dauerhafte Bauwerk bleibt. 

Bei einer Zwillingsträger-Hilfsbrücke bilden zwei parallel angeordnete Stahlträger eine Einheit. Gemeinsam nehmen sie die hohen Lasten des Zugverkehrs auf und leiten sie sicher über die Baugrube hinweg.

Zwei Minuten für ein komplexes Bauwerk 

Wie baut man einen neuen Fahrweg unter neun bestehenden Gleisen, während darüber die Züge weiterrollen? Unsere Animation zeigt, wie das Kreuzungsbauwerk Schritt für Schritt entstanden ist. 

 

 

In rund zwei Minuten zeigt sie die Ausgangslage, die geplante RTW-Trasse durch den bestehenden Gleisbereich, die Vorbereitung der Arbeiten, die dafür benötigten Bauwerke und die einzelnen Bauphasen. 

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